8 Maßnahmen für mehr innere Ruhe

Letzten Donnerstag war es soweit: Frau Sweet wurde kurzzeitig zu Frau-not-so-Sweet. Und zwar während eines heftigen Streits mit meinem Liebsten. Der Auslöser? Eine Nichtigkeit. Wie das häufig so ist. Aber in diesem Fall lag es an unserem gemeinsamen neuen unsichtbaren Feind: Corona.

Alles fing damit an, dass ich bei einer Diskussion um Maskenpflicht, App und Impfung grundsätzlich eine andere Meinung vertrete als mein Liebster. Dabei ist er vollkommen durch die Decke geschossen. Ohne ersichtlichen Grund. Einfach weil er per se schon genervt war an diesem Abend. Das sieht er inzwischen ganz klar. Unter normalen Umständen schaffen wir es nämlich, die Meinung des anderen einfach stehen zu lassen. Doch jetzt mit Corona 24/7 ist alles anders.

Fakt ist: Unser gesamtes Leben steht praktisch Kopf. Beide arbeiten wir seit Wochen von zu Hause aus. Aus logistischen Gründen tun wir dies getrennt, jeder in seiner eigenen Wohnung. Denn eigentlich sollten wir längst zusammenwohnen. Zumindest war das der Plan für diesen Frühling. Aber inmitten der Wohnungssuche kamen die Restriktionen, die bei einem Umzug eher schwierig umzusetzen sind, wie ich das in den letzten Wochen in meiner Straße beobachten konnte. Außerdem ist der Rattenschwanz, der mit einem Umzug zusammenhängt, einfach viiiiel zu lang momentan.

Dass einem beim derzeitigen Tages-Einerlei irgendwann die Decke auf den Kopf fällt, war abzusehen. Oft weiß ich abends nicht mehr, welchen Wochentag wir haben. Das ist schon verrückt! Vorher hatte ich wenigstens eines gewisse Routine. Nehmen wir zum Beispiel Sport. Vor Corona hatte ich ein wöchentliches Sportprogramm. Mit Geräten, Kursen und allem Pipapo. Das ist derzeit natürlich völlig undenkbar. Zwar hat mein Fitnessstudio sehr schnell reagiert und bietet seit dem Lockdown zweimal am Tag Online-Kurse an, aber es ist schon etwas anderes, die Übungen auf gerade mal 1,5 x 1,5 Metern zu machen und seine Mitstreiter überhaupt nicht mehr zu treffen. Das hat mich nämlich immer sehr motiviert.

Normalerweise habe ich überhaupt keine Probleme, lange allein zu sein. Aber da wir alle nicht dürfen, fällt auch mir diese erzwungene Einsamkeit alias Social-Distancing zuweilen schwerer als sonst.

Meine beste Freundin, mit der ich am Freitag telefoniert habe, erzählte mir Ähnliches. Sie hatte am Wochenende nach Ostern einen riesengroßen Streit mit ihrem Mann.

Es ging um Käse. Also tatsächlich den zum Essen. Ihr Mann mag Käse grundsätzlich nicht. Im Auflauf toleriert er ihn jedoch. Letztes Wochenende reagierte er auf den Käse im Essen – na sagen wir – eeeetwas gereizt. Und entstanden ist daraus eine existenzielle Grundsatzdiskussion, bei der am Ende sogar das Wort Scheidung fiel.

„Ich dachte wirklich das war’s mit unserer Ehe“, erzählte mir meine Freundin im Flüsterton. „Nach all den Jahren, in denen wir wirkliche Höhen und Tiefen zusammen durchgestanden haben, kann es doch nicht sein, dass wir wegen so einem kindischen Streit auseinander gehen!“

„Es war doch nur der Käse“, kommentierte schließlich ihr 5-jähriger Sohn die Auseinandersetzung, die sie ihm als gewissenhafte Mutter in Ruhe erklären wollte, nachdem dieser mitbekommen hatte, wie die Fetzen flogen. Wie einfach und logisch Kinder die Welt doch sehen!

Eins ist mir bei dem Telefonat klar geworden: Uns stören gar nicht so sehr die auferlegten Zwänge, obwohl die teilweise schon extrem nerven, sondern diese Ungewissheit. Dass wir alle nicht wissen, wie lange diese Situation noch andauert und was als Nächstes kommt. Die zermürbt einen jeden Tag ein bisschen mehr. Ich weiß, Jammern hilft überhaupt nicht. Weder mir, meinen Mitmenschen und schon gar nicht meinem Liebsten. Der natürlich trotz unseres schlimmen Streits nach wie vor der liebste Mensch auf der Welt für mich ist. 😉

Damit das so bleibt, habe ich eine Entscheidung für mich getroffen: 

Ich brauche wieder eine echte Tagesroutine. An der ich mich festhalten kann und so ein Stück Normalität, ja Kontrolle über mein Leben bekomme. Gerade wegen dieser schwierigen Corona-Zeit brauche ich so etwas erst recht. Weil ich sonst früher oder später tatsächlich noch ausflippe.

1. Mehr bewegen

Normalerweise tut mir Sport sehr gut. Aber da ich momentan wie gesagt, von zu Hause aus arbeite, bewege ich mich leider noch weniger als sonst. Ich brauche also neben Sport, eine Alternative. Vielleicht Spazierengehen.

Das könnte ich tatsächlich in meine Morgenroutine einbauen. Und zwar indem ich bei meinem Liebsten übernachte und morgens einfach zu Fuß nach Hause latsche. Dafür muss ich etwa 20 Minuten Fußmarsch einplanen, wenn ich gemütlich gehe. Das hätte den Vorteil, dass ich abends ebenfalls zu Fuß zu ihm gehen würde. Also gleich doppelt gemoppelt.

Für den Fall, dass ich zu Hause übernachte, wäre es denkbar, dass ich eine Runde um den Block gehe. Das dürfte etwa 10 Minuten in Anspruch nehmen, wenn ich einen Schlenker mache. Anschließend mache ich dann zu Hause in jedem Fall noch dieses 3-Minuten-Stretchprogramm. Das habe ich gestern ausprobiert, ist super easy und passt wirklich in jeden Zeitplan:

2. Besser essen

Neben Bewegung möchte ich auch noch etwas an meiner Ernährung feilen. Grundsätzlich tut mir die Paleo Ernährungsweise ganz gut. Also Getreide und Milchprodukte weglassen plus viele andere zu beachtende Kleinigkeiten.

Aber ganz so drastisch möchte ich das momentan nicht praktizieren. Denn ich liebe Käse und hier sind Milchprodukte nun mal tabu. Was ich aber auf jeden Fall verbessern kann, ist die Menge an Gemüse und guten Fetten. Da geht sicher noch einiges, obwohl ich schon recht viel Gemüse esse. Allerdings fehlt mir hier manchmal ein wenig die Variation.

Außerdem möchte ich wieder – wie sonst auch – mindestens einmal pro Woche intermittierendes Fasten einbauen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich dann z.B. viel besser auf meine Arbeit konzentrieren kann.

3. Tagebuch schreiben

Ein richtiges Tagebuch habe ich bisher nie geführt. Zwar habe ich als junges Mädchen immer wieder damit angefangen, aber nach recht kurzer Zeit wieder drangegeben.

Eine einfache Technik, die mir früher allerdings schon oft geholfen hat, war es, jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, die besonders gut gelaufen sind und drei Dinge, bei denen es noch Verbesserungspotenzial gibt. Dafür gehe ich den Tagesablauf noch einmal im Kopf durch und reflektiere mein Verhalten und meine Gefühle zu Geschehnissen oder Personen. Das hilft mir zum einen, meine Gedanken zu sortieren und zum anderen, einen gesunden Abstand zu den Dingen zu bekommen. Ich werde das definitiv wieder in Angriff nehmen. Mehr als fünf Minuten pro Tag dürfte das nicht in Anspruch nehmen.

4. Kreativ sein

Etwas zu kreieren, ist eine hervorragende Beschäftigung, die ich wirklich jedem nahelegen kann. Nicht einmal Sport gibt mir dieses Gefühl, das ich habe, wenn ich etwas Kreatives tue. Der pure Akt des Schöpfens hat auf mich eine beruhigende Wirkung und verhilft mir zu mehr innerem Gleichgewicht.

Bei mir ist es z.B. Schreiben. Das war schon immer so. Kein Wunder, dass ich diesen Blog angefangen habe. Eine Geschichte zu erzählen, schickt mein Gehirn auf eine phantasievolle Erholungsreise.

Stricken funktioniert bei mir übrigens auch ganz gut. Meine beste Freundin aus Kindertagen hat früher immer ihren „Ärger weggestrickt“, wie sie es mir damals erzählt hat. Für andere ist es Backen, Basteln oder den Garten umgraben. Was auch immer du tust, etwas Eigenes zu kreieren, wird dir ein unnachahmliches Gefühl der Befriedigung verschaffen.

5. Ausmisten & aufräumen

Vor zwei Wochen habe ich z.B. angefangen, alte Briefe aus meiner Jugend zu sortieren. Nach Jahreszahlen und Freundeslisten. Das war zwar ziemlich viel Arbeit, aber es war echt schön, als ich damit durch war.

Vielleicht mache ich das gleiche auch mit meinen alten Fotos. Vor Jahren hat meine Mutter ihre ganzen Kisten aussortiert und mir einen Schwung alter Fotos in die Hand gedrückt. Leider hat mir die Aufschieberitis immer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber wenn ich jetzt nicht damit anfange, wann dann?

Allen, denen es – wie mir – sehr schwerfällt, sich aufzuraffen, um überhaupt Dinge zu tun, kann ich eine Technik empfehlen: Widme dich einer bestimmten Sache lediglich fünf Minuten. In 99 Prozent aller Fälle wirst du weitermachen. Weil du ja bereits angefangen hast. Oft ist es nämlich nur der Anfang, der die Hürde darstellt. 

Das funktioniert übrigens bei allen unangenehmen Tätigkeiten. Angefangen von lästiger Hausarbeit wie Bügeln, über Steuererklärung bis hin zu Bachelor- oder Masterarbeiten. 😉

Ach ja, falls du Hilfe beim Ausmisten suchst: Versuchs mal mit der Marie-Kondo-Methode. Die ist wirklich sehr leicht umzusetzen und völlig unaufdringlich!

6. Regelmäßig meditieren

Es gibt eine Atemtechnik, die mir mal ein „Guru“ nahegelegt hat, die bei mir sehr zuverlässig funktioniert und die sogar wissenschaftlich begründet ist.

Es handelt sich um die in den 1970-ern von dem Kardiologen Herbert Benson an der Harvard Medical School entwickelte Methode „Relaxation Response“. Dabei geht es darum, zu lernen, wie man mit Stress umgeht und wie man sich entspannt.

Seitdem wurde diese Methode noch optimiert. Und zwar von David Rakel, M.D., University of Wisconsin. Die wissenschaftliche Kurzerklärung zur Effektivität dieser Methode gibt es übrigens hier.

Und so funktioniert´s:

Atme 20 Mal langsam und bewusst ein und wieder aus. Wichtig ist es, aus dem Bauch heraus zu atmen. Das kannst du ganz einfach überprüfen, indem du dich in eine bequeme Position begibst und eine Hand auf deinen unteren Bauch legst. Beim Einatmen hebt deine Bauchdecke deine Hand automatisch nach oben, beim Ausatmen senkt sie deine Hand wieder.

Wichtig ist es, zwischen den Atemzügen, also nach jedem Einatmen und Ausatmen noch ein paar Sekunden zu warten, bevor du wieder weiteratmest.

Manchen hilft es, dabei bis vier zu zählen:

Also beim Einatmen bis vier zählen: Eins, zwei, drei, vier.

Danach vier Zählzeiten halten: Eins zwei, drei, vier.

Anschließend wie bei einem Seufzer vier Zählzeiten ausatmen: Eins, zwei, drei, vier.

Dann wieder vier Zählzeiten halten: Eins, zwei, drei, vier.

Usw.

ABER ACHTUNG! Hier geht es NICHT darum, die Sauerstoffzufuhr so lange wie möglich zu unterbrechen, sondern viel mehr darum, die Entspannung ZWISCHEN den Atemzügen zu erhöhen.

7. Bring dich zum Lachen!

Wenn es mir schlecht geht, hilft mir das oft wieder auf die richtige Spur zu kommen. Entweder schaue ich mir lustige Stand-up-Comedy an oder ich mache selber Quatsch. Und zwar während ich meine Lieblingsmusik höre. Kann ich dir wärmstens empfehlen.

Letztes Wochenende habe ich bestimmt eine halbe Stunde lang ein Lied nach dem anderen von meiner aktuellen Lieblingsband „Nothing But Thieves“ gehört. Dabei habe ich die Lieder mitgesungen bzw. Lip Sync dazu gemacht. Mit einem Mikrofon abwechselnd aus Rhabarber, Kochlöffel und einer Wasserflasche. Probier das ruhig mal aus! Du wirst dich direkt wieder wie ein Teenager fühlen. 😉 Das coole an solchen Aktionen ist ja, dass dich keiner sieht und du dich so richtig austoben kannst. Also, was auch immer du machst, übertreibe ruhig!

Du kannst dich auch vor den Spiegel setzen und ein paar Grimassen ausprobieren. Das funktioniert auch. Wichtig ist nur, dass du dich zum Lachen bringst.

8. Mit Mädels telefonieren

Ich hatte zwar schon immer viele männliche Freunde, früher sogar mehr als Freundinnen, aber seitdem ich älter bin, weiß ich Gespräche mit dem weiblichen Geschlecht definitiv mehr zu schätzen.

Niemand versteht einen so gut wie die beste Freundin. Niemand kann dein Gequatsche besser ertragen wie deine beste Freundin. Denn wenn ich meinem Liebsten irgendetwas erzähle und es hört sich nur ansatzweise nach einem Problem an, dann passiert das, was ich bereits in diesem Artikel beschrieben habe.

Also, gönn dir deine telefonischen Streicheleinheiten mit deiner besten Freundin, deiner Mama oder wem auch immer. Das tut gut und du wirst dich verstanden fühlen.

Das war’s mal wieder von mir. Bis demnächst.

Alles Liebe!

Deine Frau Sweet

One thought on “8 Maßnahmen für mehr innere Ruhe

  1. Liebe Frau Sweet,
    schöne und informative Seite, finde ich. Gesundheit findet eben auf mehreren Ebenen statt: Körper Seele und Geist. Danke für die tolle Darstellung! Freue mich über mehr solcher Artikel 😉
    Besonders spannend finde ich den meditativen Bereich – es gibt einfach soo viel zu erforschen …
    Herzliche Grüße
    Grit Joy

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